Der Aufbau von IKEA Möbeln ist nicht gerade für seinen hohen Unterhaltungswert bekannt. So planten wir beim letzten Umzug wertvolle Zeit zu sparen, indem wir zwei Möbelpacker nicht nur für  den Umzug, sondern für den Aufbau der Möbel bestellten. Die Umzugsfirma hatte uns zwei besonders begabte IKEA-Experten versprochen. Der Umzug verlief relativ reibungslos. So konnte es gerne weitergehen! Während wir fleißig kleinere frisch gekaufte Möbel, wie Tisch und Stühle, zusammensetzten, waren die Möbelpacker für Bett und Schrank zuständig. Sichtlich unmotiviert machten sie sich ans Werk, denn dass mehr als nur der Umzug anstand, hatte man ihnen nicht mitgeteilt.

Wie schwer kann es schon sein, dachten sie sich wohl und während der eine alle Verpackungen aufriss und über den Boden verteilte, spielte der andere mit seinem Telefon. Nach fast 3 Stunden war das Bett fast fertig, zeitgleich hatten wir all unserer anderen Aufgaben erfüllt. Es hat sogar Spaß gemacht und alle IKEA Schrauben waren vorhanden. Die Umzugshelfer wollten sich langsam auf den Weg machen. Zusammen legten wir noch eben die Matratze auf den Lattenrost und dann fehlten nur noch vier Schubladen für den Bettkasten, die noch in Teilen auf dem Boden lagen. Für den Schrank war keine Zeit mehr und wir bezahlten verständnisvoll in Bar. Etwas seltsam, aber so machte diese Firma das (Steuerbetrug?). Schade, noch kein Schrank, aber IKEA Möbel kosten eben Zeit und Kraft. Erst Recht, wenn man keinen automatischen Schraubendreher hat. Schraubenzieher sagt man nicht mehr, lernten wir bei dieser Gelegenheit.

Immerhin fehlte beim Bett nicht mehr viel und den Schrank vertagten wir, da es trotz Hilfe ein langer, anstrengender Umzugstag war. “Ein Glück, dass wir das Bett nicht auch noch aufbauen mussten, solange wie das dauerte”, sagten wir uns und suchten erschöpft aber halbwegs optimistisch die passenden Schrauben für die Schubladenteile aus dem übergebliebenen Materialhäuflein. Doch irgendwas konnte nicht stimmen. “Mist, da hat IKEA wohl nicht alle Schrauben mitgeliefert”, oder wo konnten sie sein? Sie waren nirgends aufzufinden. Wie Detektive untersuchten wir erst alle Kartons, alle Zimmerecken und schließlich das Bett selbst.

Es stellte sich nach und nach heraus, wie kreativ unsere Gehilfen waren. Anscheinend waren sie nicht der Anleitung gefolgt, sondern verwendeten Schrauben und andere Materialen, gerade so wie es irgendwie passte. Selbst die Spannbänder des Lattenrosts waren falsch angebracht – sie lagen einfach drüber, ohne eingewebt zu sein. Das überhängende Stück war verknotet und festgenagelt. War das der Grund gewesen, die Matratze so schnell auf den Rost zu wuchten?

Je länger wir uns die Bescherung ansahen, desto deutlicher wurde, dass das Bett so nicht halten würde. Der tragende Balken in der Mitte des Doppelbettes wurde nur durch winzige (!) Schrauben gehalten, die überdies an anderer Stelle fehlten. Die Stimmung hätte eigentlich im Keller sein müssen, doch die absurde Situation spornte uns nach jedem weiteren Schrecken an. “Diese Idioten haben ewig gebraucht, um dann alles falsch zu machen”, ärgerten wir uns fast spielerisch, denn nun waren wir die Helden, die vielleicht nicht die Welt, aber den Abend und das teure Bett retteten.

Wir gaben nicht auf und korrigierten Fehler über Fehler, waren bestürzt, immer weitere Schlampereien zu finden, bis wir schließlich wieder unsere Ausgangssituation erreichten: die Bettschubladen. Diesmal passte alles, Matratze drauf und fertig. Es war bereits nach Mitternacht. Erschöpft und zufrieden sinnierten wir über das Erlebte. Wie konnte es sein, dass es trotz des anfänglichen Ärgers eine gute und sogar inspirierende Erfahrung wurde? Eins ist sicher: Selbst wenn man den Schaden hat, hat man oft auch eine gute Geschichte.

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